Mily Balakirev war der Typ, der nicht nur Musik schrieb. Er hat es diktiert. Dieser russische Komponist wurde Ende Dezember 1836 (oder Anfang Januar 1837 nach dem neuen Kalender) in Nischni Nowgorod geboren und entwickelte sich zum dynamischen, oft despotischen Anführer einer nationalistischen Gruppe, die die Orchestermusik für immer veränderte. Er starb im Mai 1910 in St. Petersburg und hinterließ ein gleichermaßen brillantes wie tyrannisches Erbe.
Seine frühe Erziehung erhielt er von seiner Mutter, aber seine eigentliche musikalische Ausbildung begann, als er bei Alexander Dubuque und Karl Eisrich studierte. Eisrich war der Musikdirektor von A.D. Ulibishev, einem wohlhabenden Gutsbesitzer, der berühmte Bücher über Mozart und Beethoven veröffentlichte. Balakirev erhielt vollen Zugriff auf Ulibishevs umfangreiche Musikbibliothek. Mit nur fünfzehn Jahren begann er zu komponieren. Er durfte sogar das örtliche Theaterorchester proben.
1853 studierte er Mathematik an der Universität Kasan. Dort schrieb er sein Klavierkonzert, das er 1856 vollendete. Im Dezember 1855 gab er in Kronstadt sein Debüt als Konzertpianist. Danach war er überall. Er trat oft auf. Zwischen 1858 und 1861 komponierte er die Ouvertüre über russische Themen und Musik für König Lear.
Er wurde auch Mentor. Schon früh betreute er zwei junge Komponisten: César Cui und Modest Mussorgsky.
Die Entstehung der „Fünf“
In den Jahren 1861 und 1862 erweiterte sich sein Kreis. Nikolay Rimsky-Korsakov und Aleksandr Borodin schlossen sich seinen Schülern an. Diese Gruppe wurde als The Five bekannt. Im Jahr 1862 trat Balakirew der Freien Musikschule bei. Diese Schule wurde speziell gegen das St. Petersburger Konservatorium eröffnet. Bald wurde er dessen Hauptkonzertdirigent.
In den 1860er Jahren befand sich Balakirew auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er unterrichtete nicht nur. Er sammelte Volkslieder entlang der Wolga. Er verwendete diese Melodien in seiner „Zweiten Ouvertüre über russische Themen“, aus der sich schließlich die symphonische Dichtung „Russland“ entwickelte.
Die Sommer verbrachte er im Kaukasus. Warum? Um Themen und Inspiration zu sammeln. Diese Reise brachte zwei Hauptwerke hervor: die brillante Klavierphantasie Islamey (1869) und die symphonische Dichtung Tamara (1867–82).
Er veröffentlichte auch Werke des Komponisten Michail Glinka. Er ging nach Prag, um sie herzustellen. Für kurze Zeit, von 1867 bis 1869, dirigierte er die Sinfoniekonzerte der Russischen Musikgesellschaft.
Der Niedergang eines Despoten
Balakirev hatte ein Problem. Er war despotisch. Er war taktlos. Diese Haltung machte ihm unzählige Feinde. Sogar seine Freunde und jungen Schüler begannen, sich über seine Vormundschaft zu ärgern.
Dann kam es zu persönlichen und künstlerischen Unglücken. Von 1872 bis 1876 zog er sich fast vollständig aus der Musikwelt zurück. Er nahm eine Stelle als Eisenbahnbeamter an. Es war ein seltsamer Wendepunkt für einen ehemaligen Musikgiganten.
Zehn Jahre zuvor hatte er eine Phase akuter Depression durchgemacht. Jetzt stand er vor einer noch schlimmeren Krise. Als er daraus hervorging, war er ein völlig veränderter Mann. Er wurde ein bigotter und abergläubischer orthodoxer Christ.
Er ist nicht ganz verschwunden. Nach und nach kehrte er in die Musikwelt zurück. Er übernahm wieder die Leitung der Freien Schule. Von 1883 bis 1894 war er Direktor der Kaiserkapelle.
Er begann auch wieder zu komponieren. Er vollendete eine Symphonie, die er vor Jahren aufgegeben hatte. Er schrieb neue Stücke. Seine Klaviersonate erschien 1905. Seine Symphonie Nr. 2 erschien 1908. Er schrieb auch mehrere Klavierstücke und Lieder.
Das letzte Jahrzehnt seines Lebens? Fast vollständiger Ruhestand.
Der bleibende Einfluss
Es wird oft gesagt, dass Balakirew in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Weichen für die russische Orchestermusik und den lyrischen Gesang gestellt habe. Einige behaupten, er habe mehr getan als Glinka.
Er entwickelte eine Redewendung und eine Technik. Er hat dies seinen Jüngern auferlegt. Er beeinflusste vor allem Rimski-Korsakow und Borodin. In gewissem Maße beeinflusste er sogar Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Er tat dies nicht nur durch sein Beispiel. Dies gelang ihm durch ständige, autokratische Überwachung ihrer früheren Werke.
Seine Musik ist herrlich farbenfroh. Es ist einfallsreich. Aber seine kreative Persönlichkeit geriet nach 1871 ins Stocken. Seine späteren Arbeiten klangen nur noch wie die Ausdrucksweise seiner Jugend.
Er war eine gewaltige Figur. Eine kontrollierende. Ein brillanter. Es bleibt die Frage, ob seine Musik ohne seine schwere Hand genauso geklungen hätte. Oder wenn er einfach zu schnell ausgebrannt ist.



























