Molly Picon war nicht nur Schauspielerin. Sie war eine Naturgewalt, die jahrzehntelang die Lower East Side von New York beherrschte. Sie wurde am 1. Juni 1898 in New York City geboren und entwickelte sich zum unbestrittenen „Schatz der Second Avenue“. Das war kein Marketing-Slogan. Das war der Titel, den ihr das jiddische Theaterpublikum in den 1920er und 1930er Jahren wegen ihres schelmischen Charmes und ihres messerscharfen komödiantischen Timings gab.
Sie starb am 6. April 1992 im Alter von 93 Jahren in Lancaster, Pennsylvania. Aber ihr Erbe ist nicht mit ihr verschwunden. Es blieb im Gelächter überfüllter Theater und in der Musik ihrer Lieder erhalten.
Picon begann lange bevor die jiddische Sprache in ihrer ausgefeilten Form überhaupt existierte. Bereits 1904 war sie ein Kinderstar im Varieté. Damals war sie noch kaum ein Teenager. 1919 trat sie einem jiddischen Theater unter der Leitung des Dramatikers Jacob Kalich bei. Sie heirateten noch im selben Jahr. Das Duo tourte 1921 durch Europa, damit sie ihren jiddischen Dialekt verfeinern konnte. Sie musste authentisch klingen. Sie musste wie zu Hause klingen.
Der Broadway-Durchbruch und Kriegstouren
Als sie in die USA zurückkehrte, begann der Trubel. Picon spielte in über 200 jiddischen Produktionen mit. Zu ihrem Repertoire gehörten komische Interpretationen berühmter Werke wie „The Working Goil“ und „The Story of Grandma’s Shawl“. Sie spielte Yankele, Raizele, Oy, iz dos a meydl! („Oh, was für ein Mädchen!“) und spielte die Hauptrolle in Hello Molly.
Den Übergang auf englischsprachige Bühnen vollzog sie erst später. Ihr Broadway-Debüt gab sie 1940 in „Morning Star“. Es war ihre erste Hauptrolle auf Englisch. Der Übergang war für viele jiddische Künstler nicht einfach. Picon hat dafür gesorgt, dass es funktioniert.
„Sie trat bis in ihre 80er Jahre weiter auf.“
Während des Zweiten Weltkriegs tourte sie international. Sie brachte den Truppen und der Zivilbevölkerung die jiddische Kultur gleichermaßen näher. Später erlangte sie in London große Anerkennung. Sie trat an der Seite von Robert Morley in der Komödie „A Majority of One“ auf. Die Kritiker waren davon begeistert. Die Rolle zeigte ihr Spektrum, das über die reine Komödie hinausgeht.
Von der jiddischen Bühne zu Hollywoodfilmen
Als das jiddische Theater an Popularität verlor, passte sich Picon an. Sie akzeptierte Mainstream-Bühnen- und Filmrollen. Sie spielte 1961 im Broadway-Musical „Milk and Honey“ eine amerikanische Witwe, die in Israel nach einem Ehemann suchte. Die Rolle war spezifisch. Es erforderte Nuancen.
Ihre Filmauftritte umfassen Jahrzehnte. Sie trat 1937 in „Yiddle with His Fiddle“ auf. Dann folgte 1938 „Mamele“ („Kleine Mutter“). Später folgte 1963 „Come Blow Your Horn“ und schließlich 1971 ihre Rolle in „Fiddler on the Roof“.
1931 wurde ein jüdisches Theater nach ihr benannt. Es ist ein Beweis für ihre frühe Wirkung. Sie trat nicht nur auf. Sie hat eine Ära definiert.
Warum hat sie es ausgehalten? Vielleicht, weil sie sich weigerte, es zuzulassen


























