Seit Jahrtausenden starren wir auf den Roten Planeten. Ich frage mich. Spekulieren. Dann, mitten im Sommer 1976, bekamen wir endlich eine Antwort.
Es geschah vor fünfzig Jahren. Genauer gesagt am 20. Juli. An diesem Tag landete Viking 1 der NASA als erste Raumsonde auf dem Mars und sendete echte Bilder von seiner Oberfläche zurück. Der erste Blick der Menschheit aus einer anderen Welt. Es war genau sieben Jahre, nachdem Apollo 11 den Mond berührte. Zufall? Vielleicht. Oder vielleicht einfach nur gutes Timing.
Die Mission sollte genau rund um die Zweihundertjahrfeier der USA am 4. Juli landen. Aber der Mars kümmert sich nicht um amerikanische Feiertage. Die Missionsleiter mussten nach einem ausreichend flachen Stück Boden suchen. Die Landung verzögerte sich also.
Viking 1 landete in Chryse Planitia, nördlich des Äquators. Es war glatt. Still. Aber hier ist die Sache: Das Signal musste 212 Millionen Meilen zurücklegen. Das sind 340 Kilometer leerer Raum. Radiowellen sind schnell, aber nicht so schnell. Die Bestätigung kam erst nach weiteren 19 Minuten.
Fünfundzwanzig Sekunden nachdem die Räder den Staub geküsst hatten, machte die Kamera das Bild. Um 7:53 Uhr EDT.
Zurück im Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien waren die Monitore dunkel. Dr. Thomas Mutch, der Leiter des Bildgebungsteams, kannte die Übung. Das Bild baute sich langsam Zeile für Zeile auf. Von links nach rechts.
„Ich habe den schwarzen Bildschirm studiert und auf den schmalen Streifen gewartet, der die ersten paar Zeilen signalisieren wird“, erinnert sich Mutch. „Felsen und Sand sind zu sehen … und – schließlich ganz rechts – einer der Fußstapfen des Raumfahrzeugs, ein symbolisches Artefakt, das unsere Leistung mit dem Zeichen … ‚Es ist unglaublich‘ kennzeichnet.“
Als das Bild geladen wurde, war es keine Wüstenlandschaft. Es war keine fremde Metropole. Es war Dreck. Felsen. Staub. Das gleiche Zeug, das Viking bei seiner Landung aufgewirbelt hatte, setzte sich noch immer auf dem Lander ab. Es kam mir seltsam, unheimlich bekannt vor. Eine solide Oberfläche. Kieselsteine. Sand.
Das Farbbild kam am nächsten Tag. Kurz darauf folgte ein Panorama. Das Geheimnis war verschwunden. Ersetzt durch die düstere Realität.
Dies war keine Einzelmission. Viking hatte einen Partner. Sechs Wochen später landete Viking 2 in Utopia Planitia. Beide Orbiter kartierten den Planeten detailliert und schickten über 52.000 Fotos vom Marshimmel und 4.500 Bilder vom Boden aus zurück. Der Umfang der Daten war beispiellos.
Aber die Lander machten mehr als nur Selfies. Sie haben gegraben. Sie untersuchten den Boden.
Viking trug die ersten Instrumente zur Erkennung von Leben. Direkt im Marsboden. Der offizielle Bericht war klar: kein Leben. Nichts Überzeugendes. Die Experimente fielen negativ aus.
Oder doch?
Hier wird es chaotisch. Jahrzehnte später streiten Wissenschaftler immer noch darüber. Einige glauben, dass eines von Vikings Experimenten tatsächlich ein biologisches Signal ausgelöst hat. Andere argumentieren, dass die Experimente zu hart waren und die Probe sterilisiert wurde, bevor Leben nachgewiesen werden konnte. Es ist das große ungelöste Geheimnis der Planetenwissenschaft.
Spätere Missionen komplizierten die Dinge. Neugier entdeckte organische Moleküle. Phoenix fand Perchloratsalze – Chemikalien, die Tests zur Lebenserkennung beeinträchtigen könnten. Hat Viking genau die Beweise zerstört, nach denen es gesucht hat? Wir wissen es immer noch nicht.
Viking 1 hörte 1982 auf zu reden. Viking 2 verstummte zwei Jahre zuvor. Ein Softwarefehler während eines Updates hat die Verbindung unterbrochen. Die Hardware ist noch da. Warten im rostfarbenen Staub.
Seitdem haben wir Rover geschickt. Wir haben Polkappen, ausgetrocknete Flussbetten und potenzielle alte Lebensräume gesehen. Doch dieses erste körnige Bild vom Juli 1976 veränderte alles. Es verwandelte den Mars von einem Punkt im Teleskop in einen Ort. Ein realer, physischer Ort, den wir betreten konnten.
Was bedeutet das also für die Suche nach Leben? Die Frage bleibt unbeantwortet. Viking schaute. Es wurde nachgeforscht. Es wurden Daten zurückgesendet, die wir noch entpacken.
Vielleicht lag die Antwort genau dort im Boden. Vielleicht haben sich die Instrumente für die Wahrheit blind gemacht. Oder vielleicht war der Mars immer zu still, als dass wir ihn hören könnten.
Sie können am Quiz teilnehmen. Sehen Sie, was Sie wissen. Aber die tiefsten Geheimnisse des Roten Planeten sind immer noch verborgen.






























