Ariel Waldman steht allein auf einem Felsen.
Es sieht aus wie der Rote Planet.
Steinsplitter. Karger Dreck. Zerklüftete, eisüberzogene Gipfel über ihnen. Die Sonne hängt weit weg, blass hinter einem Dunst. Sie lächelt. Sie ist in der Antarktis.
Insbesondere die Trockentäler. Braune Erde eingeschlossen zwischen alten Gletschern. In ihrer neuen PBS-Dokumentation „Life Unearthed“ vertritt sie einen kühnen Punkt: Die Erde ist seltsamer, fremder, als wir zugeben.
Nicht weil es aus dem Weltraum kommt.
Aber weil wir das meiste davon nicht sehen können.
Der verborgene Dschungel
Waldman bettete mit einem Bodenforschungsteam im Süden ein.
Sie brachte die Ausrüstung mit.
Mikroskope. Makrosondenobjektive für tiefe Felder. Eine Drohne. Kamerahalterungen, die der Schwerkraft trotzen. Sie filmte die „unbesungene“ Tierwelt. Sie filmte sich selbst bei der Arbeit. Das Ergebnis ist die Aufzeichnung eines Ökosystems, das sich aufgrund des Klimawandels teilweise gewaltsam selbst auseinanderreißt.
Die Reise erstreckt sich von den Tälern der Antarktis bis zu den feuchten Prärien Nordamerikas. Sie zeigt uns die unsichtbaren Architekten: Nematoden. Rädertierchen. Bärtierchen. Winzige Biester, die den Boden nähren und sich dabei vor den Augen der Öffentlichkeit verstecken.
Hatte sie eine Besatzung für die Antarktis-Etappe?
Nein.
Sie hat alles alleine gedreht.
Warum nach unten schauen?
Zurück in ihrem Büro in San Francisco. Umgeben von Schränken aus Glas und Metall.
Waldman erklärt die Dringlichkeit. Sie möchte diese Umgebungen dokumentieren, bevor sie verschwinden. „Wenn man die Trockentäler filmen will, braucht man ein Mikroskop“, sagte sie. Ohne sie gibt es nichts zu sehen. Die Prärien sind die gleichen. Die Biomasse ist nicht oben. Es ist im Dreck unten.
Sie ist Kuratorin der San Francisco Microscopical Society. Ihr Ziel ist einfach, aber radikal.
Schauen Sie so oft auf den Dreck, wie Sie in den Himmel starren.
Sie denkt über das Leben auf anderen Monden nach. Unsere beste Wahl? Es wird mikroskopisch klein sein. In Life Unearthed sehen wir Bärtierchen – Wasserbären. Geschwollene Beine wackeln unter der Linse. Sie stoßen auf Pflanzenzellen. Sie überleben den Frost in der Antarktis. Sie überleben das Vakuum des Weltraums.
Wer hätte nicht gerne eine Weltraumschildkröte, die unter eine Linse passt? 🐻
Sie sind der Beweis. Charaktere von außerhalb unserer Atmosphäre könnten bereits hier sein und sich im Boden verstecken.
Das Unsichtbare gestalten
Wir lernten uns kennen, als sie mit der NASA an Spacehack arbeitete. Bürger mit Weltraumprojekten verbinden. Sie stellte CubeSat vor – von Enthusiasten gestartete DIY-Satelliten. Später gründete sie den Science Hack Day. Globale Zusammenarbeit für Code und Daten.
Wir wurden Freunde.
Ich habe sie am Tag bevor sie zum Pol geflogen ist, gesehen. Sie geriet in Panik.
Wie verpackt man Mikroskope für die Antarktis?
Sie ist keine ausgebildete akademische Forscherin. Ihr Hintergrund ist Grafikdesign.
Das verändert alles.
Sie will nicht nur Daten. Sie möchte, dass die Leute es sehen. Sie möchte, dass Sie ein billiges Objektiv kaufen. „Dinge unter sich werfen“. Wenn man das Leben in seiner ganzen Vielfalt sieht, wird der Drang, es zu schützen, ganz natürlich. Sie können nicht speichern, was Sie nicht sehen können.
Maßstab ist wichtig
Denken Sie an den Eshort Powers of Ten von 1977. Vergrößern. Verkleinern.
Waldman ist davon überzeugt, dass wir durch Größe unseren Platz finden. Drohnen für den Himmel. Mikroskope für den Boden. Bei der Jagd auf Präriekrebse? Eine Kamera an einem Kabel. Durch verstopfte Rohrkabel in unterirdische Höhlen schlängeln.
„Wir sind sowohl sehr klein als auch sehr groß“, sinnierte sie.
Hängt davon ab, wo man steht.
Technologie bringt die Wahrheit ans Licht. Der Großteil des Lebens ist ohne sie unsichtbar. Life Unearthed endet ohne Verbeugung. Nur ein Vorschlag. Nimm das Objektiv. Schauen Sie nach unten.
Die Welt unter deinen Füßen wartet.
