Während die Artemis-2-Mission darauf abzielt, als erster bemannter Mondvorbeiflug seit über fünf Jahrzehnten Geschichte zu schreiben, hat sich der Fokus von den Astronauten auf ein viel terrestrischeres Problem verlagert: die Toilette des Raumfahrzeugs.
Während die vierköpfige Besatzung den Mond umkreist, überwinden sie technische Hürden, die eine grundlegende Wahrheit der Weltraumforschung verdeutlichen: Fortschrittlicher Antrieb und Navigation bedeuten wenig, wenn grundlegende biologische Bedürfnisse des Menschen nicht befriedigt werden können.
Eine Reihe technischer Rückschläge
Die Hygienebucht der Raumsonde Orion, ein kompakter Raum für Mondreisen, war in jüngster Zeit Gegenstand mehrerer Störungen. Was als kleines Problem begann, hat sich für NASA-Ingenieure zu einer komplexen Fehlerbehebungsmission entwickelt.
- Die „Space Plumber“-Intervention: Missionsspezialistin Christina Koch musste kürzlich praktische Reparaturen an der Urinfunktion durchführen, nachdem diese offline gegangen war. Koch wies darauf hin, dass die Toilette möglicherweise das „wichtigste Ausrüstungsstück an Bord“ sei, und betonte, dass der Erfolg einer Mission stark von diesen lebenserhaltenden Systemen abhängt.
- Der mysteriöse Geruch: Die Besatzung berichtete von einem „brennenden Geruch“, der aus der Hygienebucht kam. Während die Ingenieure noch mit der Untersuchung beschäftigt sind, deuten vorläufige Erkenntnisse darauf hin, dass es sich möglicherweise um eine „Ausgasung“ handelt – einen Prozess, bei dem Materialien wie Klebebänder oder Klebstoffe Gase freisetzen – und nicht um einen gefährlichen elektrischen Brand.
- Die Eisblockade: Das dringendste Problem betraf den Urinspeichertank. Nachdem der Inhalt nicht entlüftet werden konnte, vermuteten die Fluglotsen, dass sich aufgrund der extremen Kälte im Weltraum Eis in der Düse gebildet hatte.
Die „Bake Out“-Strategie und Notfallpläne
Um die Blockade zu beheben, nutzten NASA-Ingenieure eine kreative thermische Lösung. Sie manövrierten die Orion-Raumsonde mehrere Stunden lang so, dass sie ihre Urinauslassdüse direkt auf die Sonne richtete. Dieses „Ausheizen“ wurde entwickelt, um eventuelle Eisansammlungen aufzutauen und die Reinigung des Tanks zu ermöglichen.
Obwohl durch das Manöver etwa die Hälfte des Tanks erfolgreich geleert wurde, kann die Besatzung die Haupttoilette noch nicht benutzen. Bis eine dauerhafte Lösung implementiert ist, verlassen sich die Astronauten auf Notfall-Klappurinale (CCUs).
„Wenn man sich mit einer kaputten Toilette im cislunaren Raum befindet, braucht man Notfallvorsorge“, erklärte NASA-Astronaut Don Pettit. Er stellte fest, dass diese speziellen Kunststoffbehälter weitaus effizienter sind als Alternativen und den Bedarf an etwa 25 Pfund schweren Windeln ersetzen.
Warum die Öffentlichkeit von Weltrauminstallationen besessen ist
Es mag trivial erscheinen, sich während einer historischen Mondmission auf die Abfallbewirtschaftung zu konzentrieren, aber Experten argumentieren, dass diese Faszination sowohl logisch als auch menschlich ist. Im Gegensatz zu den Apollo-Missionen der 1960er Jahre nutzt Artemis 2 hochentwickelte, kompakte Technologie, die für Langzeitaufenthalte im Weltraum konzipiert ist.
NASA-Beamte nennen zwei Hauptgründe für das große Interesse:
1. Übertragbarkeit: Hygiene ist eine universelle menschliche Erfahrung, die jeder versteht und die es für die Öffentlichkeit zu einer greifbaren Möglichkeit macht, sich mit den Strapazen der Raumfahrt auseinanderzusetzen.
2. Komplexität: Die Entsorgung menschlicher Abfälle in der Schwerelosigkeit und bei extremen Temperaturen ist eine gewaltige technische Herausforderung, die für die Gesundheit der Besatzung und die Sauberkeit von Raumfahrzeugen von entscheidender Bedeutung ist.
Missionsübersicht
Die Artemis-2-Besatzung – bestehend aus Commander Reid Wiseman, Pilot Victor Glover und den Missionsspezialisten Christina Koch und Jeremy Hansen – befindet sich derzeit auf einer zehntägigen Mission. Ihre Reise dient als kritischer Test für die Fähigkeit der Raumsonde Orion, menschliches Leben in der Mondumgebung zu erhalten.
Die technischen Schwierigkeiten mit der Orion-Toilette unterstreichen die Realität, dass es bei der Erforschung des Weltraums ebenso sehr um die Beherrschung der grundlegenden menschlichen Biologie wie um die Beherrschung der Himmelsmechanik geht.






























