Der von Influencern gesteuerte Wellnessmarkt lebt von Schlagworten wie „klinisch getestet“, „wissenschaftlich fundiert“ und „lebensverändernd“. Aber wie viel davon ist hinter der Hochglanzverpackung und dem aggressiven Social-Media-Marketing tatsächlich wahr? Ein genauerer Blick auf Grüns, eine beliebte Marke für Gummivitamine, offenbart einen allgemeinen Trend: Bei klinischen Tests geht es immer weniger um strenge Wissenschaft, sondern mehr um eine Marketingtaktik.
Der Aufstieg gummiartiger Nahrungsergänzungsmittel
Gummivitamine erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und bieten eine schmackhafte Alternative zu kalkhaltigen Pillen oder grobkörnigen Pulvern. Grüns nutzte diesen Trend mit aggressiven Social-Media-Kampagnen, bei denen Influencer Vorteile wie eine verbesserte Verdauung anpriesen, insbesondere für diejenigen, die GLP-1-Medikamente wie Ozempic einnehmen. Die Frage ist nicht, ob diese Gummibonbons gut schmecken – viele Menschen bevorzugen sie gegenüber herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln –, sondern ob die Behauptungen einer Prüfung standhalten.
„Klinisch getestet“… Aber wie?
Grüns verwendet auf seiner Website an prominenter Stelle den Begriff „klinisch getestet“ sowie Bilder von Gummibärchen in Petrischalen. Das Unternehmen weist auf eine Studie mit 120 gesunden Erwachsenen hin, die einen signifikanten Anstieg des Folat- und Vitamin-C-Spiegels bescheinigt. Die Studie selbst bleibt jedoch auf mysteriöse Weise unverbunden, was sofort Warnsignale auslöst.
Das ist nicht unbedingt kriminell; Von Experten begutachtete Veröffentlichungen sind teuer und Ergänzungen unterliegen keinen strengen Vorschriften. Dennoch machen Marken, die ihre Behauptungen beweisen möchten, in der Regel Forschungsergebnisse zugänglich. Das Versäumnis von Grüns deutet auf einen Mangel an Transparenz hin.
Die Citruslabs-Verbindung
Weitere Untersuchungen führten zu Citruslabs, dem Auftragsforschungsinstitut (CRO), das die Grüns-Studie durchgeführt hat. Citruslabs vermarktet sich als One-Stop-Shop für Wellness-Marken, die „wissenschaftliche Unterstützung“ suchen. Während das Unternehmen klinische Studien anbietet, bietet es auch Umfragen zur Verbraucherwahrnehmung an, wodurch die Grenze zwischen objektiver Forschung und voreingenommenem Marketing verwischt wird.
Grüns kombiniert diese Datentypen auf seiner Wissenschaftsseite: klinische Ergebnisse (Folat- und Vitamin-C-Anstieg) mit Verbraucherberichten (67 % geben an, dass sich die Gesundheit verbessert hat, 44 % berichten von einer besseren Konzentration). Letzteres stammt aus einer Umfrage unter 3.000 Kunden nach dem Kauf und nicht aus einer strengen klinischen Studie. Diese Verschmelzung von Daten führt zu Verwirrung und impliziert eine wissenschaftliche Validierung, wo diese nicht existiert.
Die Grenzen der Forschung
Die Grüns-Studie beweist, dass der Verzehr der Gummibärchen den Folat- und Vitamin-C-Spiegel erhöht, verglichen mit der Einnahme überhaupt nicht. Es werden die Gummibonbons nicht mit bestehenden Multivitaminpräparaten oder grünen Pulvern verglichen und Behauptungen über eine verbesserte Verdauung werden auch nicht angesprochen. Die Forschung beantwortet nicht die Fragen, die Verbraucher tatsächlich haben.
Der CEO von Grüns nutzte diese Unklarheit zu seinem Vorteil, indem er Kritik als „bequeme Mythen“ bezeichnete, die von Wettbewerbern verbreitet würden. Dies ist eine klassische Wellness-Tricktaktik: Daten herauspicken, Skepsis zurückweisen und sich auf anekdotische Beweise stützen.
Der Geschmackstest
Schließlich werden die Gummibärchen selbst dem Hype nicht gerecht. Obwohl sie nicht schrecklich sind, werden sie als „chemisch riechend“, „sandig“ und „eher wie Fruchtleder als wie ein Gummibärchen“ beschrieben. Für Verbraucher, die Wert auf Geschmack legen, sind sie eine enttäuschende Alternative zu bestehenden Optionen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Grüns‘ „klinische Tests“ weniger wie ein Bekenntnis zur Wissenschaft, sondern eher wie eine Marketingstrategie anfühlen. Das Unternehmen nutzt die Idee der wissenschaftlichen Strenge, ohne für vollständige Transparenz zu sorgen. Diese Taktik wird auf dem unregulierten Wellnessmarkt immer häufiger eingesetzt, untergräbt das Vertrauen und verwischt die Grenze zwischen echter Forschung und Verbrauchermanipulation.
